
FLÜCHTLING AUF LEBENSZEIT
Einblicke in ein palästinensisches Flüchtlingscamp im Libanon
photography · book · El Buss, Lebanon
Die in der Ausstellung gezeigten Fotos des Künstlers bieten einen direkten Blick auf die abgebildete Szene. Ob sie Kinder beim Spielen oder einen in aufrechter Haltung, direkt in die Kamera blickenden älteren Mann zeigen: Es ist stets ein beobachtender und liebevoller Blick, der die Abgebildeten ins Zentrum rückt. Die Farbkompositionen sind klar und leuchtend. Die Serie mit dem Titel „Flüchtling auf Lebenszeit“ zeigt Menschen und Lebenssituationen aus dem Flüchtlingslager El Buss im Libanon.
Das im Bezirk Tyros liegende Camp wurde 1939 von der französischen Regierung als Transitlager für Flüchtlinge aus Armenien errichtet. In den fünfziger Jahren begann der Zuzug von Palästinenser*innen aus der Gegend um Akkon und Haifa. Während in den siebziger Jahren etwa 4.000 Bewohner*innen gezählt wurden, wohnen dort heute über 11.000 Menschen, inoffiziellen Schätzungen zufolge 18.000. Sie arbeiten primär in Landwirtschaft und Baugewerbe und leben in teils selbst erbauten Betonblockbauten. Rund 70 Prozent von ihnen sind unter 40 Jahre alt.* Bewacht vom libanesischen Heer und als „gesetzesfreie“ Zone gilt das Lager trotz der Beschränkungen, die das Leben dort für die Menschen mit sich bringt, im Vergleich mit anderen Flüchtlingslagern als verhältnismäßig offen. Es gibt einen Austausch mit der Außenwelt und das im Camp erbaute Hospital wird heute noch von Libanesen frequentiert.
Neben der ästhetischen Aussage der Fotos steht auch eine politische, denn Ali Kanaan will mit seinen Arbeiten auf die Situation in seinem Geburtsort El Buss und die dort lebenden Menschen aufmerksam machen. Aus der Übergangs- ist eine Dauerlösung geworden. Seit sieben Jahrzehnten wohnen dort, mittlerweile in dritter Generation, Menschen, die auf eine Lösung des Konflikts zwischen Palästina und Israel hoffen. Sie hoffen darauf, ein Land verlassen zu können, in dem sie hinter Lagermauern nie wirklich angekommen sind, und in ein Land heimzukehren, das ihnen längst fremd ist.

















































































